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BESSER BETA

André Friedrichs, Posted: 03.03.08

Meinen ersten Rechner hatte ich wohl Ende der Achtziger. Kurz darauf besaß ich Modem und trieb ich mich in Mailbox-Netzen rum, war dann Compuserve-User und freute mich kindlich überschwenglich, als ich meine erste transatlantische E-Mail bekam. 1991 habe ich dann zum ersten Mal etwas vom »Internet « gehört. »Internet« – das klang damals heftig nach digitalem Hippietum in Kalifornien, nach Geeks in der Art eines Richard Stallman, der zu meinen damaligen Ikonen zählte. Jedenfalls wollte ich bei diesem »Internet« dabei sein. Allerdings war das damals nicht so einfach. Provider, die IP an Privatpersonen verkauften, gab es noch nicht. Und bezahlbar wäre es ohnehin nicht gewesen. 1992 hatte ich meinen privaten Rechner dann doch über die Uni am Netz. (Also: Internet zu Hause! Damals: »Wow!«)

Das »World Wide Web« hatte Cern zu diesem Zeitpunkt noch nicht verlassen und ich amüsierte mich mich Kommandozeilen-E-Mail-Programmen oder mit einem – damals recht modern – Dienst, der sich »Gopher« nannte. Und das Einloggen in einen amerikanischen Rechner via Telnet reichte noch für ein Herzklopfen. 1993 kam dann der erste Browser und ich war begeistert. Die Zahl der Websites war sehr – sehr! – überschaubar, aber mir war klar, dass dies nicht lange so bleiben würde. Die Idee des WWW war einfach zu gut. Zeitgleich beschäftigte ich mich mit einem neuen Betriebssystem, einem »echten Unix für den PC«, das sich »Linux« nannte und noch komplett beta war. Frühe Spuren meines digitalen Lebens lassen heute noch er-googlen. 1994 habe ich anscheinend, wie ich heute herausgefunden habe, einen PGP-Key für meine damalige E-Mail-Adesse »a.friedrichs@slam.hein.de« ge-signt. Kurz: Ich war früh dabei, war »early adopter«.

Seit dieser Zeit war das Internet dann ein fester Bestandteil meines Lebens. Privat und beruflich. Morgens. mittags, abends – und vor allem: nachts. »24/7!«, natürlich. Ich habe im Laufe dieser Jahre wahrscheinlich hunderte Accounts angelegt und mir noch mehr Passwörter gemerkt, Dutzende Nicks benutzt, mich in jeder Ecke des Netzes herumgetrieben. Ich habe die Geburt der großen Marken im Netz miterlebt, von großen Visionen gehört, die Schwadronaden von Powerpoint-Artisten über mich ergehen lassen, Microsoft-Evangelisten erlebt, noch größere Pleiten amüsiert verfolgt und auch die »new economy« überlebt. Ich war Geschäftsführer einer Web-Agentur mit Potential, habe Markenhersteller beraten dürfen und recht hübsche Summen im Auftrag meiner Kunden für Online-Werbung verplant.

Für eine eigene, private Website fehlte mir damals die Zeit, vielleicht auch der Elan. Und wozu auch?

2005 hatte ich plötzlich genug – genug vom Netz; genug von Innovationen, neuen Websites und »Kennste schon wwwxyzdotcom«?; genug von Marketing und Werbung. Das Spaß am Netz war weg. Brauchte ich vielleicht mal so etwas wie ein Netz-Sabbatical? Ich beging also digitalen Selbstmord, löschte meine Accounts und verabschiedete mich von meinen Nicks. Stattdessen widmete ich wieder einem anderen Medium, dem Buch, und stürzte mich auf mein anderes Faszinationsthema: Neurowissenschaften.

2006 habe ich mich dem Netz dann wieder genähert. Zunächst recht zaghaft. Nur E-Mails, sonst nichts. Schließlich probierte ich dann doch wieder einige Content-Management-Systeme aus, programmierte sogar wieder ein wenig rum. Verwundert über mich selbst stellte ich fest, dass es mir plötzlich wieder verdammt viel Spaß machte, Software auszuprobieren, an PHP-Skripten zu schrauben und mich mit Browser-Bugs rumzuschlagen. Und jetzt habe ich sogar Lust, eine eigene Site ins Netz zu stellen.

Um mir den Spaß an der Sache aber nicht wieder zu rauben, habe ich mir eine Regel auferlegt: Diese Website wird nie fertig, bleibt für immer beta. www.andre-friedrichs.com – meine private Spielwiese, my own Private Idaho. Und damit liege ich ja im Trend. Schließlich bauen alle erfolgreichen Web 2.0-Projekte auf dieses »Beta-Prinzip«. Websites werden kontinurierlich weiterentwickelt. Constant Improvement. Betas statt Businesspläne. Ich werde hier also nach Lust und Laune Artikel schreiben, Funktionen hinzufügen – oder auch nicht – , oder das Layout ändern.

Ich wünsche mir viel Spaß!
Und Ihnen natürlich auch!

Tags: No tags for this post. Datum: 03/03/08

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